Freitag, 9. Juni 2017

Ist unser Gehirn schuld, dass wir bei Diäten nicht abnehmen? Alles nur eine reine Kopfsache?

Viele Diätwillige kennen das: Man nimmt deutlich weniger Kalorien zu sich, doch so richtig klappt es mit dem Abnehmen nicht. Der Grund dafür könnte nach neuesten Untersuchungen eine reine Kopfsache sein.

Diätwillige kennen das Problem!
Wissenschaftler der University of Cambridge und des Albert Einstein College of Medicine haben nämlich herausgefunden, dass bestimmte Gehirnzellen verhindern, dass wir Kalorien verbrennen, wenn wir hungrig sind.

Hinter dem Diät-Problem steckt ein -für unsere heutige Zeit- ziemlich ärgerlicher Mechanismus. Zumindest ärgerlich für diejenigen, die abnehmen wollen. Denn unser Körper funktioniert ein bisschen wie ein Thermostat-System. Was energetisch auch Sinn macht: Wenn wir weniger essen, verbrennen wir auch weniger Kalorien. Und in der neuen Studie sind die Wissenschaftler diesem Mechanismus auf die Spur gekommen. Er wird von unserem Gehirn reguliert.

Im Rahmen einer neuen Studie wurden Versuche mit Mäusen durchgeführt. Mäuse sind uns Menschen in einigen entscheidenden physiologischen Eigenschaften sehr ähnlich - die Ergebnisse also durchaus übertragbar (vor allem wenn es um Essen und Diät geht). Die Wissenschaftler konzentrierten sich in ihren Versuchen auf die Rolle von Neuronen und Neuropeptiden, die unseren Appetit regulieren.

Hintergrund: Wenn die entsprechenden Neuropeptide (AGRP) aktiv sind, sorgen sie dafür, dass wir essen. Wenn sie ausgeschaltet sind, fehlt auch der Drang zur Nahrungsaufnahme. ...

Bei den Mäusen wurden im Rahmen der Versuche diese Nervenzellen an- oder ausgeschaltet, um zu beobachten, wie der innere Thermostat der Nager darauf reagierte. Und dabei stellte sich heraus, dass diese Zellen im aktiven Status tatsächlich dafür sorgen, dass ein merkbares Hungergefühl entsteht. Wenn hingegen kein Futter in Reichweite ist, helfen sie Energie zu sparen, in dem weniger Kalorien verbrannt werden. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine Gruppe von Neuronen im Gehirn sowohl den Appetit als auch den Energiehaushalt koordiniert und einen Schalter umlegt, der Kalorien verbrennt oder eben nicht. Je nachdem, wie viel Nahrung zur Verfügung steht" so Clémence Blouet, von der University of Cambridge.

Eigentlich vernünftig eingerichtet, aber eben auch ungünstig, wenn das Ziel eine Gewichtsabnahme ist. Denn nach einem ähnlichen Mechanismus legt unser Körper ja auch Energiereserven an. Wird die tägliche Kalorienzufuhr drastisch gesenkt, drosselt unser Körper auch den Grundumsatz.

Überall ein Überangebot!
Bei radikalen Diäten bedeutet das, die schnelle Gewichtsabnahme funktioniert nur bis zu dem Punkt, an dem der Körper den Energiesparmodus anwirft, dann ist es aus mit der Gewichtsreduktion. Und im Energiesparmodus wird weniger Zucker abgebaut, stattdessen werden Fettreserven angelegt. Das war sehr praktisch für die Steinzeit-Menschen, wenn Sie gerade keine Beute erlegen konnten. Nun -in unserer Überflusswelt- ist dieser geniale Mechanismus sehr ungünstig, heute finden wir an jeder Ecke was zu Essen wir leben in einem totalen Überangebot.

Warum manche nur schwer abnehmen!
Aber die Entdeckung des Neuropeptid-Mechanismus hilft nun dabei zu verstehen, warum manche Menschen trotz verminderter Kalorienzufuhr so wenig abnehmen. Aber schicksalhaft ergeben müssen wir uns den Neuronen trotzdem nicht. Wer abnehmen will, der solle sich an die altbewährte Formel halten - so der Forscher und Hauptautor der Studie Luke Burke.
Die Formel: Die beste Lösung für gesunde Menschen, die abnehmen möchten - zumindest für die, die nur einige Kilos Übergewicht los werden wollen - ist eine moderate Kalorienreduktion, besser langsamer und sicher als schell und dann geht nichts mehr. Auch eine Kombination mit Sport ist sinnvoll.
Quelle: LUKE BURKE, University of Cambridge
Bildquelle: pixabay
Link der Studie: https://elifesciences.org/articles/22848
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